Heißhunger aus ayurvedischer Sicht
Kennst du das auch? Du hast eigentlich keinen Hunger, trotzdem ist da plötzlich dieses starke Verlangen nach etwas Süßem, Salzigem oder Knusprigem: Heißhunger!
Heißhunger kann sich ziemlich überwältigend anfühlen. Er überrollt uns oft scheinbar aus dem Nichts. Befindet man sich kurz vor einer Heißhungerattacke sind alle auferlegten Vorsätze, sich gesund ernähren zu wollen, egal. Nach dem großen Futtern kommen nicht selten schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe.
Bist du öfters von Heißhunger betroffen lohnt es sich vielleicht einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen:
Was möchte mir dieses Verlangen eigentlich sagen?
Im Ayurveda wird starkes Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln unter anderem im Zusammenhang mit einem Ungleichgewicht der Doshas betrachtet.
Die Idee dahinter: Wenn Körper und Geist aus dem Gleichgewicht geraten, kann sich das auch in unserem Essverhalten zeigen. Bestimmte Geschmäcker oder Lebensmittel können dann besonders attraktiv erscheinen, weil sie uns unbewusst etwas geben, wonach wir gerade suchen.
Dabei geht es nicht darum, aus einem bestimmten Heißhunger sofort auf ein bestimmtes Dosha zu schließen. Die folgenden Zuordnungen können vielmehr als ayurvedische Orientierung dienen.
Bei erhöhtem Vata
Vata wird mit Leichtigkeit, Bewegung, Trockenheit und Unregelmäßigkeit verbunden. Bei einem erhöhten Vata kann deshalb das Bedürfnis nach etwas Erdendem, Süßem und Fettigem stärker werden.
Typische Gelüste können beispielsweise sein:
- salzige oder saure Snacks
- Schokolade
- Kuchen und andere Süßspeisen
Bei erhöhtem Pitta
Pitta steht für Hitze und Intensität. Bei einem erhöhten Pitta kann sich das Verlangen beispielsweise auf intensive, salzige oder saure Lebensmittel richten.
Mögliche Gelüste sind:
- salzige Knabbereien
- gesalzene Nüsse
- Fast Food
- Alkohol
Und wer kennt es nicht: Wenn der Hunger zu groß wird, kann auch die Stimmung schnell kippen. „Hangry“ lässt grüßen. 😉
Bei erhöhtem Kapha
Kapha wird mit Schwere, Stabilität und Süße verbunden. Bei einem erhöhten Kapha kann deshalb das Verlangen nach süßen und schweren Lebensmitteln stärker ausgeprägt sein.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Schokolade
- Eis
- Torten und Mehlspeisen
- andere süße Speisen
Diese ayurvedischen Zusammenhänge sind interessant – aber sie sind nicht die einzige Erklärung für Heißhunger.
Was kann Heißhunger auslösen?
Heißhunger kann viele verschiedene Ursachen haben. Stress, unregelmäßige Mahlzeiten oder zu lange Essenspausen können beispielsweise dazu beitragen, dass das Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln besonders stark wird.
Auch unsere Gewohnheiten spielen eine Rolle: Wenn Essen immer wieder dazu dient, Stress, Langeweile oder andere unangenehme Gefühle zu regulieren, kann sich daraus mit der Zeit ein Muster entwickeln.
Deshalb geht es aus meiner Sicht nicht darum, Heißhunger mit möglichst viel Disziplin zu bekämpfen.
Viel hilfreicher ist es, die Bedingungen zu verändern, die ihn immer wieder entstehen lassen.
Mit diesen Tipps kannst du Heißhunger langfristig die Stirn bieten:
3 ayurvedische Impulse gegen Heißhunger
1. Sorge für regelmäßige Mahlzeiten
Lange Essenspausen können dazu führen, dass der Hunger irgendwann sehr groß wird – und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass du schnell zu etwas greifst, das besonders attraktiv und leicht verfügbar ist.
Im Ayurveda spielen regelmäßige Mahlzeiten deshalb eine wichtige Rolle.
Für viele Menschen sind drei gut zusammengestellte Mahlzeiten mit ausreichend Abstand dazwischen eine gute Orientierung. Entscheidend ist dabei nicht, eine starre Regel einzuhalten, sondern eine Mahlzeitenstruktur zu finden, die zu deinem Alltag und deinem individuellen Bedarf passt.
2. Integriere alle 6 Geschmacksrichtungen
Im Ayurveda werden sechs Geschmacksrichtungen unterschieden:
süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb.
Diese sollten in jeder Mahlzeit oder zumindest über den Tag verteilt in unseren Speisen vorkommen.
Gerade die Geschmacksrichtungen bitter und herb kommen in unserer heutigen Ernährung oft eher zu kurz. Du kannst sie beispielsweise über grünes bzw. bitteres Gemüse (z.B. Bittersalate, grünes Blattgemüse), frische Kräuter (z.B. Petersilie, Thymian, Oregano, Salbei) und Gewürze (z.B. Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel) integrieren.
3. Nimm dir Zeit zum Essen
Auch wie wir essen, spielt im Ayurveda eine wichtige Rolle.
Wenn wir unsere Mahlzeit nebenbei, unter Zeitdruck oder sehr schnell essen, nehmen wir oft weniger bewusst wahr, was und wie viel wir eigentlich essen ohne, dass wir richtige Nährung erhalten.
Versuche deshalb, wenn möglich, deine Mahlzeiten in Ruhe einzunehmen. Lege das Handy kurz zur Seite, atme einmal durch und nimm dir Zeit für dein Essen.
Achtsames Essen bedeutet dabei nicht, aus jeder Mahlzeit ein Ritual machen zu müssen.
Ein paar Minuten mehr Aufmerksamkeit können bereits einen Unterschied machen.
Und was, wenn der Heißhunger trotzdem kommt?
Vielleicht ist das der wichtigste Punkt:
Du musst nicht gegen dich selbst kämpfen.
Wenn du manchmal Lust auf Schokolade, Chips oder etwas Süßes hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast.
Versuche vielmehr, neugierig zu werden:
Bin ich tatsächlich hungrig?
Habe ich heute regelmäßig gegessen?
Bin ich gestresst oder müde?
Oder brauche ich gerade etwas ganz anderes?
Diese kleine Pause zwischen Impuls und Handlung kann bereits helfen, deine eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
Ayurveda kann dir dabei eine interessante Perspektive geben: nicht strenger mit dir zu werden, sondern deinen Körper und deine Gewohnheiten besser zu verstehen.
Möchtest du Ayurveda persönlicher für dich nutzen?
Wenn du immer wieder mit Heißhunger, Stress, Verdauungsbeschwerden oder anderen Themen rund um dein Wohlbefinden zu tun hast, kann eine individuelle Ayurveda-Begleitung sinnvoll sein.
Gemeinsam schauen wir auf deine persönliche Situation und darauf, welche ayurvedischen Impulse dich im Alltag unterstützen können – ganzheitlich, individuell und ohne starre Regeln.


